Setzlinge kaufen oder selber ziehen - eine Abwägung

Für Gartenbegeisterte fühlt sich das erste Jahresquartal oft unproduktiv an. Die Eisheiligen im Mai, ab denen die meisten Setzlinge gepflanzt werden können, sind noch in weiter Ferne. Lohnt es sich, die Wartezeit mit der Anzucht von Setzlingen zu überbrücken oder ist der Gang zur Gärtnerei doch die bessere Wahl?

Mangoldsetzlinge mit Keim- und Laubblatt

In den ersten beiden Gartenjahren habe ich fast ausschliesslich mit gekauften Setzlingen gearbeitet: aus Platzgründen, fehlendem Wissen und ehrlich gesagt aus Überforderung. Denn ohne Gewächshaus ist die Anzucht schwierig, wenn auf zusätzliche Hilfsmittel wie zum Beispiel Anzuchtlampen verzichten werden soll.

Im dritten Jahr startete ich die Setzlingsproduktion mit vielen Vorsätzen: keinen Plastik verwenden, ohne Anzuchtlampe arbeiten, so viel wie möglich selbst vorziehen. Ökologisch sinnvoll, aber in meiner nordausgerichteten Wohnung mit Bodenheizung und Dreifachverglasung schlicht unmöglich. Es war zu warm und zu dunkel: die Keimlinge wuchsen schnell, bekamen dünne Stängel und waren kaum standfest. Auch die hochgelobten Kokosfasertöpfchen enttäuschten. Entweder waren sie sehr schnell ausgetrocknet und mit ihnen die Setzlinge oder fingen bei zu viel Feuchtigkeit an zu schimmeln.

Lichtmangel und zu hohe Temperaturen lassen die Pflanzen sehr schnell nach oben wachsen, so dass sie instabil werden.

Mit folgenden Massnahmen bin ich nun im vierten Jahr besser unterwegs: Wiederverwendung von Plastiktöpfchen als kleine Gewächshäuser, Anzuchtlampe “grow light cultura” von Venso EcoSolution, Setzlinge erst pikieren und umtopfen, wenn die ersten Laubblätter sichtbar sind.

Einige Faustregeln, die auf alle Pflanzen anwendbar sind und mir jedes Jahr aufs Neue helfen:

  1. Lichtkeimer nur leicht mit Erde decken, Dunkelkeimer tief(er) setzen.

  2. Samen setzen, (mit Ballbrause) giessen und dann mit Erde zudecken.

  3. Für die Keimung braucht es mehr Wärme als später während der Wachstumsphase.

  4. Nach der Keimung braucht es viel Licht und bis März ist es auch draussen zu wenig hell.

  5. Zuerst wachsen die Keimblätter und erst danach die “normalen” Blätter (Laubblätter), welche die Pflanze erkennbar machen. Pflanzbehälter unbedingt beschriften!

  6. Starte die Anzucht drinnen und gewöhne die Setzlinge ab eine gewissen Grösse an das Outdoor-Feeling: am Tag draussen, in der Nacht drinnen (Frostgefahr).

 

Setzlinge im “Fensterbank-Gewächshaus” oder unter etwas Klarsichtfolie ergibt die gleichen klimatischen Bedingungen.

Setzlinge draussen an das Klima gewöhnen - im Frühbeet, im Topf mit Haube oder direkt an der Sonne.

Gemüse finde ich grundsätzlich schwieriger anzuziehen als Blumen. Denn viele Blumensorten können auch direkt ins Beet gesät werden, ohne dass Schneckenfrass ein Thema ist. Andere wachsen aus Wurzeln und Knollen, wie Dahlien und Ranunkeln, und müssen nicht mühsam pikiert werden. Die wichtigsten Gemüsesetzlinge kaufe ich deshalb nach wie vor ein, um die Wahrscheinlichkeit einer guten Ernte zu erhöhen. Das ergibt auch Sinn, wenn ihr gängige Blumen- und Gemüsesorten pflanzen wollt.

Meine Lieblingsorte für den Setzlingskauf, bei denen ich nie mit leeren Hände rauskomme:

Mein Fazit: Wer Zeit hat und mit der Anzucht erfolgreich ist, spart Geld und gewinnt eine viel grössere Sortenvielfalt. Wer Standardsorten pflanzen möchte, wenig Platz hat oder unsicher ist, wann was ins Beet kommt, ist in der Gärtnerei besser aufgehoben. Oder ihr macht es wie ich, nach Lust und Laune: Gärtnern soll Freude machen, nicht stressen.

Grüsse aus dem Garten,
eure Madame Sprout

 

P.S. Falls ihr eure Zeit lieber beim Einkaufs-Bummeln verbringt und bis im Mai noch nichts im Garten zu tun habt, wird euch der nächste Newsletter zum Thema Gründüngung interessieren.

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